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Betriebsferien

vom 18.8. bis 08.09.2019

 

Workshop Fährtenarbeit

vom 20.09. bis 22.09.2019

Für einen gewaltfreien und respektvollem Umgang mit unseren Hunden:

 

Hundeschule Zusammenspiel

(anerkannt gem. §11 TierschG)

 

Jutta Alberts

Lehmder Damm

49356 Diepholz

 

Mobil: 0151-50519255

Tel.: 05492-3264

 

m-j-alberts@web.de

Brustgeschirr oder Halsband?!

Eine sehr gute bildliche Ausführung zu diesem Thema finden Sie auch unter:

https://www.freedogz.be/equipment/image/data/pdfs/posters_web_DE.pdf


In den letzten Jahren sieht man immer mehr Hunde, die über
ein Brustgeschirr geführt werden, früher wurden beinahe
ausschließlich Halsbänder verwendet. Deshalb werden wir
häufig gefragt, welche Art der Halsung wir empfehlen. Unsere
Antwort auf diese Frage lautet eindeutig: das Brustgeschirr!
Die Gründe hierfür sind folgende:
Das Geschirr schont die Gesundheit des Hundes, denn sein
gesamter Halsbereich bleibt unbelastet. Das hat zur Folge,
dass die empfindliche Halswirbelsäule geschont wird, die
beim Tragen eines Halsbandes extremen Belastungen ausgesetzt
wird, denn nicht nur sie wird beeinflusst, sondern
jeder Druck oder Ruck verursacht weiterlaufende Bewegungen
im ganzen Körper, da der Hundekörper dabei verbogen
wird.


Zusätzlich werden die Luftröhre und der Kehlkopf belastet,

weshalb ein ziehender (oder gezogener!) Hund röchelt und
hustet. Dies ist aber nicht das einzige Problem, denn wie
alle Körperstrukturen hängt der Kehlkopf nicht einfach frei
im Hals-Rachen-Bereich, sondern ist in ein Weichteilgewebe
eingebetet. Das wichtigste Weichteilgewebe (leider häufig
in seiner Funktion und Wichtigkeit verkannt) ist das Bindegewebe
und bindegewebsartige Strukturen vernetzen unseren
gesamten Körper. Dadurch kommt es zu einer Fernwirkung
auf den gesamten Körper, wenn an einer Stelle eingewirkt
wird. Es ist so, als ob man an einer Tischdecke zieht: Nicht nur
der Teil, an dem wir ziehen, bewegt sich, sondern auch der
Rest der Decke. Bezogen auf den Leinenruck oder das Ziehen
am Halsband (bis zu einem gewissen Grad, aber deutlich abgeschwächt,
auch beim Ziehen im Brustgeschirr) bedeutet
dieses, dass der Hundehalter immer auch auf weiter entfernt
liegende Gewebe einwirkt. Dieses Gewebe wird (meist) nicht
direkt mechanisch verletzt, sondern reagiert auf Reize (Leineruck/
Zug) über eine neuroreflektorische Verkettung, da
in ihm zahlreiche Rezeptoren sitzen, die für die Reaktion auf
Einwirkungen verantwortlich sind. Deshalb spricht man von
einem neuroreflektorischem Regelkreis. Bei unangenehmen
Reizen kommt es zur Spannungserhöhung im Gewebe, die
sich entlang der Bindegewebszüge weiter fortsetzen und so
auch auf andere Strukturen einwirken (vergl. Tischdeckenprinzip).
Da das Bindegewebe auch Nerven, Gefäße und
Lymphbahnen umhüllt, führt eine Spannungserhöhung in
ihm zu einer Verschlechterung der Zirkulation (Blut- und
Lymphfluss) und ggf. zu einer Stimulation des Nervengewebes,
was eine Entzündung nach sich ziehen kann.
Gerade im Halsbereich gibt es sehr viele empfindliche
Strukturen: Neben dem Kehlkopf, der natürlich auch durch
eine direkte mechanische Einwirkung wie den Leinenruck
verletzt werden kann, liegt ein Stück weiter oben das Zungenbein,
bei dem es sich ebenfalls um einen empfindlichen
Bereich handelt, der über die Muskulatur mit dem Kehlkopf,
dem Unterkiefer, der Zunge, dem Brustbein, dem Schlundkopf
und über eine knorpelige Verbindung sogar direkt mit
dem Schädel verbunden ist!
Spätestens hier wird deutlich, dass neben den direkten lokalen
Einwirkungen auch immer mit Fernwirkungen bei Manipulationen
über das Halsband gerechnet werden muss, da die
erwähnten Muskeln zum Teil im Bereich des Halses verlaufen.
Einwirkungen auf diese Muskeln können über so genannte
Läsionsketten (über Spannungserhöhung entlang der Bindegewebsketten)
auch zu Spannungserhöhungen und in Folge
Strukturschädigungen in anderen Geweben führen.
Im Bereich der oberen Kopfgelenke kann es bei Störungen
zu Schwindel, Übelkeit, Sehstörungen und sogar Tinnitus
kommen. Zu weiteren Symptomen zählen
bei Störungen in der oberen Halswirbelsäule
(C0-C2) Konzentrations- und Wahrnehmungsprobleme,
Nervosität, Müdigkeit,
Probleme mit dem Kiefer, den Augen und
Ohren und Kopfschmerzen. Zu den Symptomen
bei Störungen im Bereich der unteren
Halswirbelsäule (C3-C7) zählen unter anderem
Lahmheiten in den Vordergliedmaßen.
Häufig ist eine Schonhaltung zu beobachten,
bei der der Kopf tief getragen wird, um dem
Schmerz auszuweichen.
Vom Menschen weiß man, dass Störungen
im Bereich der Halswirbelsäule zu Schwindel
und Gleichgewichtsproblemen führen. Zusätzlich
bestehen über die Halsfaszien (ebenfalls
Bindegewebsstrukturen) Verbindungen
zur Schilddrüse und Nebenschilddrüse. Das
Halsband muss also gar nicht direkt auf der
Schilddrüse liegen, um auch diese zu beeinflussen. Außerdem
verläuft in der Drosselrinne eine wichtige Vene. Wird
dort durch ein Halsband Druck aufgebaut, kommt es zu einem
venösen Rückstau in den Schädel, der zu einer Druckerhöhung
und als Folge dieser zu Kopfschmerzen führt.
Schon 2006 wurde die Studie „Effects of the Application of
Neck Pressure by a Collar or Harness on Intraocular Pressure
in Dogs“ veröffentlicht, deren Ergebnisse eindeutig belegen,
dass Hunde, die über ein Halsband geführt werden, eher zu
Glaukom und grauem Star neigen. Ebenso wird in der Studie
darauf hingewiesen, dass bei Erkrankungen des Auges, für
die ein erhöhter IOP (intraokulärer Druck) verantwortlich ist,
das Tragen eines Halsbandes fatale Folgen hat.
Es gibt viele weitere anatomische Strukturen, die durch ein
Halsband negativ beeinflusst werden und Schmerzen verursachen:
Arterien, Venen, Hirnnerven, Speiseröhre, Luftröhre,
Lymphknoten und Schilddrüse. Das Problem liegt allerdings
darin, dass die Schäden an ihnen nicht so offensichtlich zu
beobachten sind wie zum Beispiel ein gebrochenes Bein. Bei
Schmerzen an der Halswirbelsäule hinkt der Hund oftmals
nicht, seine Schluckbeschwerden kann er uns nicht erzählen,
ein leichtes Hängen des Augenlides fällt dem Laien ebenso
wenig auf wie eine verengte Pupille usw. usw.
Um die oben genannten Symptome wirklich zu verstehen,
schlagen wir Ihnen folgendes Experiment vor: Legen Sie sich
selbst ein breites, weiches Halsband um, hängen Sie eine Leine
ein und bitten Sie einen Freund, diese zu halten, während
Sie Ihren Körperschwerpunkt nach vorne richten (1).
(1) Breites, weiches Halsband
Achten Sie darauf, dass Ihr Körpergewicht wirklich im Halsband
hängt (wie bei einem ziehenden Hund) und probieren
Sie nun aus, wie lange Sie diese Position halten können
und welche körperlichen Symptome entstehen. Sie werden
innerhalb weniger Sekunden spüren, wie sich das Blut im
Kopfbereich staut, Sie einen starken Druck auf den Schläfen
wahrnehmen und in Folge Kopfschmerzen bekommen.
Wenn Sie dieser Eigenversuch noch nicht überzeugt, machen
Sie die gleiche Übung noch einmal mit einem rundgenähten
Halsband (2) oder einem Kettenwürger (3). Eine
weitere Steigerung läge darin, den Freund am Ende der Leine
zu bitten, Sie zu irgendeinem Zeitpunkt, der für Sie nicht
absehbar ist, an diesem Halsband zurück zu ziehen, so wie
man es als Mensch tut, wenn man den Hund schnell aus einem
Gefahrenbereich nehmen muss.
Zeigen Sie sich verantwortlich für die Gesundheit Ihres Hundes
und legen Sie ihm ein Geschirr an, das ihn vor den oben
genannten Schäden schützt. Es ist vergleichbar mit dem Anlegen
des Sicherheitsgurtes im Auto: Selbstverständlich tut
man alles, um einen Unfall zu verhindern, aber wenn es zu
einem kommt – möchten Sie dann den Sicherheitsgurt um
den Hals gewickelt haben?!
Auch das Argument mancher Hundehalter, ihr Hund ziehe
niemals an der Leine und deshalb bestünde keine Gefahr,
entpuppt sich immer als falsch, denn selbst ein sehr gut ausgebildeter
Hund ist ja nicht allein für die Leinenführigkeit verantwortlich,
sondern ist immer auch abhängig von seinem
Menschen am anderen Ende der Leine, dem es zu keinem
Zeitpunkt passieren dürfte, dass er zum Beispiel unbewusst
mit der Leine herumspielt oder den Hund gedankenverloren
weiter zieht, weil er gar nicht bemerkt hat, dass dieser zum
Beispiel zum Urinieren stehen bleiben wollte usw.
Neben den gesundheitlichen Aspekten gibt es aber noch
weitere Gründe, ein Geschirr statt eines Halsbandes zu verwenden.
Wenn Ihr Hund einmal aus einer Gefahrensituation
herausgezogen werden muss, können Sie das an dem
stabilen Rückensteg des Geschirres problemlos tun, ohne
ihn zu würgen. Am Halsband ist es zum Beispiel nicht ohne
weiteres möglich, den Hund aus einem Schacht oder Fluss
herauszuziehen, ohne ihm dabei gesundheitliche Schäden
zuzufügen.
Bei Hundebegegnungen, die mit einer gewissen Anspannung
verlaufen, können Sie ebenfalls über den Rückensteg
des Geschirres viel besser eingreifen als über das Halsband,
denn um in dieses greifen zu können, müssen Sie von oben
kommend in den Nacken des Hundes fassen, was von ihm
schnell als Angriff interpretiert werden kann. Das wiederum
kann im Eifer des Gefechts zu Abwehrreaktionen führen.
Hinzu kommt, dass Hunde unter anderem über Assoziation
lernen, was bedeutet, dass sie einen Reiz, den sie gerade
wahrnehmen, gedanklich mit dem Gefühl verbinden,
dass sie zu diesem Zeitpunkt empfinden. Wenn Sie also auf
einen anderen Hund, ein Kind oder auch Ihren Nachbarn
zulaufen und Ihren Hund dabei sehr kurz, ruckartig oder
sonst unangenehm am Halsband führen, wird er die dabei
unangenehmen Gefühle (keine Luft zu bekommen, Schmerz
zu empfinden usw.) gedanklich mit diesem Tier oder dieser
Person verknüpfen. Innerhalb kürzester Zeit können so Aggressionen
entstehen, die sich der Halter in der Regel gar
nicht erklären kann, die aber auf dieses Gedankenmuster
zurückzuführen sind. Die bekannteste so entstehende Aggressionsform
ist die Leinenaggression, die insbesondere
bei den Hunden häufig vorkommt, die am Halsband über
den Leinenruck gearbeitet werden.
Viele Kynologen betonen, dass der Hals des Hundes eine
wichtige soziale Empfangsstation für positive und negative
Zuwendung ist. Die Halsseiten des Hundes dienen dem Kontakt
mit engen Freunden in vertrauensvollem Umgang, Nacken
und Kehle dienen als Bereiche der Einordnung. Führen
wir einen Hund an einem noch so komfortablen Halsband,
lässt sich nicht verhindern, dass über die Leine falsche Informationen
zum Hund fließen, denn ein Halsband berührt
(2) Rundgenähtes Halsband (3) Kettenwürger Stachelhalsband
ständig alle Halsseiten und desensibilisiert diese für Berührungen.
Wir können unsere Hände gar nicht so ruhig halten,
dass die Leine immer locker durchhängt, weshalb viele Hundehalter
ihrem Hund durch unbewusstes Herumfuchteln
und Gezupfe an der Leine ein Chaos an Signalen übermitteln,
die dieser bald zu ignorieren lernt. Seine „soziale Empfangsstation“
stumpft ab und er lernt, dass es schwierig ist,
mit seinem Menschen zu kommunizieren!
Die Körpersprache eines Hundes, der stark an der Leine zieht
oder gezogen wird, verändert sich, wenn er an einem Halsband
geführt wird. Die Körperhaltung wird provokanter, da
der Hals nach oben gestreckt wird. In manchen Fällen halten
die Besitzer die Leine sogar so straff und kurz nach oben,
dass der Hund regelrecht ausgehebelt wird und auf den Hinterfüßen
steht, was bei der Führung über ein Geschirr nicht
passieren kann.
Verheddert sich ein Hund mit dem Brustgeschirr, wird ihm
zumindest nicht die Luft abgedrückt und die Gefahr des
Strangulierens ist nicht gegeben. Viele mit Geschirr entlaufene
Hunde sind ohne zurück gekommen, denn zur Not lässt
sich ein Geschirr vom Hund durchbeißen, wenn er irgendwo
fest hängt. Ein Halsband nicht!
Die Befürchtung mancher Hundehalter, ihren Hund kräftemäßig
nicht mehr im Griff zu haben, wenn er ein Geschirr
trägt, ist unbegründet und wird in der Regel von denen als
Argument in die Waagschale geworfen, die es noch nicht
versucht haben. Die Führung eines Hundes ist eine Frage der
Erziehung und Führtechnik und nicht des Kraftaufwandes.
Zieht man alle diese Argumente in Betracht, finden wir es
nach heutigem Wissensstand unabdingbar, dass unsere
Hunde an einem Brustgeschirr geführt werden. Bei der Auswahl
des Geschirres sollten Sie auf folgende Punkte achten:
• Das Material, aus dem das Geschirr gefertigt ist, sollte
weich und anschmiegsam sein. Am besten auch waschbar,
falls sich Ihr Hund einmal in etwas übel Riechendem
wälzt.
• Das Geschirr sollte an allen Enden zu öffnen sein, damit
es dem Hund bequem angelegt werden kann. Wählen
Sie möglichst kein Geschirr, das so vernäht ist, dass Sie
die Pfote(n) Ihres Hundes hindurchziehen müssen, denn
viele Hunde empfinden das als sehr unangenehm.
• Der Steg auf dem Rücken sollte fest vernäht sein, damit
die an ihm eingehängte Leine nicht hin und her rutscht
und damit es keine Scheuerstellen am Körper gibt. Außerdem
sollte er nicht zu kurz sein, da sich das gesamte
Geschirr sonst beim Tragen nach vorne zieht.
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• Zwischen den Bändern, die seitlich über den Rumpf des
Hundes laufen, und der Achselhöhle sollte bei mittelgroßen
bis großen Hunden eine Hand breit Platz sein, da
sich das gesamte Geschirr sonst beim Tragen nach vorne
unter die Achselhöhlen zieht und dort einschneidet und
scheuert. Bei kleinen Hunden wie Dackel oder Chihuahua
reicht eine Breite von ein bis zwei Fingern aus.
• Die Bänder, aus denen das Geschirr gefertigt ist, dürfen
nicht zu schmal sein. Ist die Auflagefläche der Bänder
nämlich nicht breit genug, können sie einschneiden.
• Die Verschlussschnallen sollten stabil und so abgerundet
sein, dass sie sich der Körperform anpassen.
• Wenn Sie das Geschirr angelegt haben, achten Sie darauf,
dass es nicht zu eng sitzt, denn sonst drückt es
schmerzhaft auf die Wirbelsäule. Sie sollten bequem mit
Ihrer Hand unter das Geschirr gleiten können, dann sitzt
es richtig.
• Stellen Sie das Geschirr so ein, dass es nicht vorne auf
den Brustbeinknochen drückt.
• Über Nacht oder bei längeren Aufenthalten zu Hause
sollten Sie das Geschirr abnehmen.
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Verwendete Quellen:
Clarissa v. Reinhardt, www.animal-learn.de
Sabine Harrer, Physiotherapeutin, www.dogs-physio.de